Blog · Astrologie-Grundlagen
Wochentage und Planeten: Warum der Dienstag Mars gehört
Ich sage jeden Donnerstag „Donnerstag" und habe sehr lange gebraucht, um zu merken, dass ich dabei Jupiter sage.
Meine Großmutter hat mir den Nachthimmel gezeigt, als ich acht war. Nicht mit einem Teleskop, wir standen einfach hinter dem Haus und sie hat mit dem Finger gedeutet. Das da ist die Venus, die geht der Sonne voraus. Das ist der Jupiter, der ist so hell, dass du ihn nicht verwechseln kannst. Daher kommen meine über 60 Jahre Astronomie, und sie fingen mit einem ausgestreckten Zeigefinger an.
Trotzdem hatte ich diese Namen jahrzehntelang im Mund, ohne sie zu hören. Am Küchentisch, wenn ich mit vier Kindern den Wochenplan durchgegangen bin, habe ich gesagt: Das machen wir am Donnerstag. Und Donnerstag heißt so, weil dort Jupiter steht.
Gemerkt habe ich es erst, als ich schon lange Astrologie machte. Über 30 Jahre Astrologie, und ich brauchte eine ganze Weile, bis mir auffiel, dass die halbe Planetenlehre in meinem eigenen Terminkalender steht. Das ist mir ein bisschen peinlich, und gleichzeitig ist es der beste Einstieg, den ich kenne. Denn du musst dafür nichts auswendig lernen. Du kannst es schon.
Die sieben Wochentage sind nach den sieben klassischen Planeten benannt: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn. Das System stammt aus dem hellenistischen Ägypten, kam über Rom nach Mitteleuropa und wurde dort auf germanische Götter übertragen. Deshalb heißt der Dienstag nach Mars und der Donnerstag nach Jupiter.
Die älteste erhaltene Erklärung für die Reihenfolge stammt vom römischen Geschichtsschreiber Cassius Dio, der sie um 220 nach Christus in Buch 37, Kapitel 18 und 19 seiner „Römischen Geschichte" beschreibt.
Stand: August 2026
Warum heißen die Wochentage nach Planeten?
Weil die Woche als astronomische Einheit erfunden wurde, nicht als praktische.
Der Monat richtet sich nach dem Mond, das Jahr nach der Sonne. Beides kann man am Himmel ablesen. Die Woche lässt sich so sauber nicht ablesen. Am nächsten kommt ihr das Mondviertel mit gut sieben Tagen, und daneben steht die jüdische Sabbatwoche, die mit Planeten gar nichts zu tun hat. Die Sieben, um die es hier geht, kommt aber woanders her: Es sind die sieben Himmelskörper, die man mit bloßem Auge sieht und die sich vor dem Sternenhintergrund bewegen. Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn.
Genau das bedeutet das Wort. „Planet" kommt vom griechischen planētēs, der Umherschweifende. Die Fixsterne stehen still zueinander, diese sieben wandern. Für die Beobachter der Antike war das die auffälligste Sache am ganzen Nachthimmel.
Sieben Wanderer, sieben Tage.
Die Woche ist ein Kalender, der nicht den Himmel abbildet, sondern die Anzahl seiner beweglichen Teile.
Die Zuordnung entstand im hellenistischen Ägypten und verbreitete sich über das Römische Reich. Als sie zu den Germanen kam, wurde nicht übersetzt, sondern ersetzt: Für jeden römischen Gott suchte man den nächstliegenden eigenen. Das Deutsche Wörterbuch DWDS nennt dieses Verfahren beim Dienstag ausdrücklich, der lateinische dies Martis wurde zum Tag des germanischen Kriegsgottes Tiwaz, althochdeutsch Ziu.
Welcher Planet gehört zu welchem Wochentag?
| Tag | Planet | Wie der Name entstand |
|---|---|---|
| Sonntag | Sonne | lateinisch dies Solis, Tag der Sonne. Im Englischen Sunday |
| Montag | Mond | lateinisch dies Lunae. Im Französischen noch sichtbar: lundi |
| Dienstag | Mars | lateinisch dies Martis, französisch mardi. Germanisch übertragen auf Tiwaz/Ziu, daher englisch Tuesday |
| Mittwoch | Merkur | lateinisch dies Mercurii, französisch mercredi. Germanisch Wodan, daher englisch Wednesday |
| Donnerstag | Jupiter | lateinisch Iovis dies, französisch jeudi. Germanisch Donar, nordisch Thor, daher englisch Thursday |
| Freitag | Venus | lateinisch dies Veneris, französisch vendredi. Germanisch Frija, daher englisch Friday |
| Samstag | Saturn | lateinisch dies Saturni, englisch Saturday |
Wenn du dir unsicher bist, ob eine Zuordnung stimmt, schau ins Französische. Dort sind fünf der sieben Namen fast unverändert erhalten: lundi, mardi, mercredi, jeudi, vendredi. Für Montag bis Freitag ist das eine Kontrolle, die du nicht nachschlagen musst. Samstag und Sonntag heißen dort samedi und dimanche und helfen dir nicht weiter.
Warum heißt der Mittwoch nicht Wodanstag?
Das ist die interessanteste Lücke im System, und sie ist kein Zufall.
Im Englischen steht der Gott noch im Namen, Wednesday ist Wodans Tag. Im Deutschen wurde er herausgenommen. Das DWDS erklärt den Grund: Mittwoch übersetzt das kirchenlateinische media hebdomas, die Mitte der sieben Tage, und verdrängte damit die ältere heidnische Bezeichnung. Die Kirche hat einen Götternamen durch eine Positionsangabe ersetzt.
Beim Samstag ist dasselbe passiert, nur mit einer anderen Quelle. Der Name kommt über das Griechische vom hebräischen Sabbat. Die zweite deutsche Form, Sonnabend, meint schlicht den Vorabend des Sonntags. Saturn ist aus beiden verschwunden. Im Englischen steht er noch da, Saturday.
Das Deutsche hat also zwei der sieben Planeten aus der Woche entfernt, das Englische keinen. Wer die Zuordnung lernen will und im Deutschen bei Mittwoch und Samstag hängenbleibt, macht keinen Denkfehler. Diese beiden Türen sind wirklich zugemauert.
Und der Donnerstag zeigt, wie sauber das Übertragungsverfahren sonst funktioniert hat. Das DWDS schreibt, Donar habe hier die Stelle des römischen Jupiter eingenommen, der Name sei eine Übersetzung des lateinischen Vorbilds. Zwei Donnergötter, zwei Kulturen, ein Tag.
Woher kommt die Reihenfolge der Wochentage?
Die Reihenfolge sieht willkürlich aus. Sie ist es überhaupt nicht.
Sortiere die sieben Planeten nach ihrer scheinbaren Geschwindigkeit am Himmel, vom langsamsten zum schnellsten. Saturn braucht rund 29 Jahre für einen Umlauf, der Mond keine 30 Tage. Es ergibt sich diese Kette:
Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond.
Das ist die sogenannte chaldäische Reihenfolge. Sie hat nichts mit der Woche zu tun, sie ist einfach eine Sortierung nach Tempo.
Jetzt kommt der Kniff. In der Antike bekam jede Stunde einen Planeten zugeteilt, immer in dieser Reihenfolge, immer im Kreis herum. Der Tag gehört dem Planeten seiner ersten Stunde. Und ein Tag hat 24 Stunden.
Sieben geht nicht glatt in 24 auf. Nach 24 Stunden bist du drei Plätze weitergerückt. Genau das erzeugt die Wochenordnung:
| Erste Stunde des Tages | drei Plätze weiter | ergibt den nächsten Tag |
|---|---|---|
| Saturn (Samstag) | Jupiter, Mars, Sonne | Sonntag |
| Sonne (Sonntag) | Venus, Merkur, Mond | Montag |
| Mond (Montag) | Saturn, Jupiter, Mars | Dienstag |
| Mars (Dienstag) | Sonne, Venus, Merkur | Mittwoch |
| Merkur (Mittwoch) | Mond, Saturn, Jupiter | Donnerstag |
| Jupiter (Donnerstag) | Mars, Sonne, Venus | Freitag |
| Venus (Freitag) | Merkur, Mond, Saturn | Samstag |
Der Kreis schließt sich exakt. Sieben Tage, dann bist du wieder bei Saturn.
Cassius Dio beschreibt beide Rechenwege, den über die Stunden und einen zweiten, bei dem man in der Planetenkette jeden vierten nimmt. Beide führen zum selben Ergebnis, es ist dieselbe Bewegung, nur anders gezählt. Er schreibt außerdem, die Ägypter hätten diese Ordnung aufgebracht, von wo aus sie sich überallhin verbreitet habe.
Deine Woche ist keine Liste. Sie ist eine Rechenoperation, die seit rund zweitausend Jahren jeden Tag aufgeht.
Was habe ich im Alltag davon?
Jetzt muss ich etwas geraderücken, denn an dieser Stelle wird oft mehr versprochen, als die Sache hergibt.
Irgendwo wirst du lesen, du sollst am Freitag heiraten, weil Venus regiert. Am Dienstag nichts anfangen, weil Mars streitlustig ist. Am Samstag kein Geld ausgeben, weil Saturn hart ist. Solche Ratschläge sind alt und sie sind beliebt. Belegt sind sie nicht. Wer dir sagt, ein bestimmter Wochentag verhindere oder garantiere etwas, verkauft dir eine Sicherheit, die es nicht gibt.
Was die Wochentage wirklich können, ist etwas anderes, und aus meiner Sicht etwas Besseres.
Sie sind ein Lerngerüst für die Planeten, das du schon im Kopf hast. Wer mit Astrologie anfängt, steht vor sieben Prinzipien und soll sie sich merken. Das ist zäh. Aber du kennst die Wochentage seit dem Kindergarten. Häng die Bedeutung an den Tag, und du hast sieben Haken, die du nie wieder verlierst:
- Sonntag, Sonne. Der Tag, an dem nicht die Arbeit zählt, sondern du. Genau das ist die Sonne im Horoskop: dein Wesenskern, dein Antrieb.
- Montag, Mond. Der Tag, an dem alle über ihre Stimmung reden. Der Mond steht für Gefühl und Bedürfnis.
- Dienstag, Mars. Anpacken, durchsetzen, loslegen.
- Mittwoch, Merkur. Mitte der Woche, alles läuft, alles wird besprochen. Merkur ist Denken und Sprache.
- Donnerstag, Jupiter. Weite, Wachstum, Überblick.
- Freitag, Venus. Feierabend, Genuss, Verbindung.
- Samstag, Saturn. Aufräumen, ordnen, das Liegengebliebene. Saturn ist Struktur und Grenze.
Und sie zeigen, wie alt das System ist. Wenn jemand dir sagt, Astrologie sei ein moderner Unfug, dann steht in seinem eigenen Kalender zumindest das Gegenteil von modern. Die Struktur der Woche, die er benutzt, um dir das zu sagen, stammt aus der Antike. Das macht die Sache nicht richtig, ein hohes Alter beweist gar nichts. Aber ausgedacht hat sie sich niemand letzte Woche.
Astrologie ist kein Hexenwerk und kein Hokus-Pokus. Manchmal ist sie ganz einfach ein Wort, das du seit Jahrzehnten sagst, ohne zu wissen, woher es kommt.
Wenn du wissen willst, wo diese sieben Planeten in deinem eigenen Horoskop stehen, kannst du das mit dem Astro-Calculator selbst ausrechnen. Er kostet nichts und läuft direkt im Browser. Und wie ich überhaupt zu alldem gekommen bin, steht hier.
Häufige Fragen
Warum hat die Woche sieben Tage?
Weil in der Antike sieben Himmelskörper mit bloßem Auge sichtbar waren, die sich vor den Fixsternen bewegen: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Anders als Monat und Jahr hat die Woche keine klare Entsprechung am Himmel. Die Sieben der Planetenwoche geht auf diese sieben Wanderer zurück. Daneben gibt es mit der jüdischen Sabbatwoche eine zweite, unabhängige Siebener-Tradition. Beide Stränge sind später zusammengeflossen.
Gehören Uranus, Neptun und Pluto auch zu einem Wochentag?
Nein, und das kann auch gar nicht sein. Die Zuordnung entstand vor rund zweitausend Jahren, Uranus wurde 1781 entdeckt, Neptun 1846, Pluto 1930. Man sieht sie ohne Fernrohr nicht. Die Woche hat deshalb genau sieben Tage und nicht zehn.
Warum heißt der Mittwoch im Englischen Wednesday, im Deutschen aber nicht nach Wodan?
Weil die Kirche im deutschen Sprachraum den Götternamen durch eine neutrale Angabe ersetzt hat. Mittwoch übersetzt das kirchenlateinische media hebdomas, die Mitte der sieben Tage. Beim Samstag ist dasselbe passiert, dort kam der Name über das Griechische vom hebräischen Sabbat. Das Englische hat beide Planetennamen behalten.
Ist ein bestimmter Wochentag für bestimmte Vorhaben besser?
Dafür gibt es keinen Beleg, und ich rate davon ab, Entscheidungen daran aufzuhängen. Die Zuordnung ist ein historisches Ordnungssystem und eine hervorragende Merkhilfe. Sie ist keine Vorhersage. Wer dir für einen Wochentag Erfolg oder Misserfolg garantiert, geht weit über das hinaus, was die Sache trägt.
Woher weiß man, dass die Reihenfolge auf Planetenstunden beruht?
Sie ist überliefert. Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio beschreibt sie um 220 nach Christus in Buch 37 seiner „Römischen Geschichte" und nennt sogar zwei verschiedene Rechenwege, die zum selben Ergebnis führen. Er verweist dabei auf ägyptischen Ursprung.
Quellen
- Cassius Dio, Römische Geschichte, Buch 37, Kap. 18–19: Text bei LacusCurtius, University of Chicago
- DWDS, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag